Queens- Bts MMFF

 In Sunora, dem westlichsten Kontinent der Welt Terosa,

herrscht erbitterter Krieg. Die sechs verfeindeten Königreiche bekämpfen sich

seit knapp 60 Jahren; Hass und der Wunsch nach Rache für alle Gräueltaten der

vergangenen 60 Kriegsjahre, sind die Säulen, auf denen dieser Kontinent erbaut

wurde. Es ist kein Ende in Sicht, bis Kang Hojin, der König des größten

existierenden Königreichs, ein Friedensangebot in die übrigen Königreiche

schickt. Doch dass das Friedensangebot mit seinen Töchtern erkauft ist, stellt

den Frieden auf eine harte Zerreißprobe.


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Prolog

 Es war Mittag, als die beiden Reiter endlich in Sichtweise

der Stadt kamen. Einer der beiden zügelte sein Pferd, das in einen leichten

Trott fiel, erschöpft schnaufte und seinen weißen Hals gen Boden streckte. Der

Reiter ließ es zu; nutzte die sich bietende Gelegenheit und griff nach dem

Wasserschlauch an seinem Gürtel. Sein Kamerad, der vorher gut zwei Meter hinter

ihm geritten war, schloss erst zu ihm auf, bevor er ebenfalls sein

dunkelbraunes Pferd durchparieren ließ.

„Herr“, sagte der Mann mit

einem respektvollen Ton in der Stimme und Richtung Stadt blickend, „ich bin mir

immer noch nicht sicher, ob es klug von Euch war, so ganz ohne Eskorte

hierherzukommen. Noch herrscht Krieg.“

Sein Herr, ein junger Mann

von knapp 1,80 und tiefschwarzem Haar schmunzelte über die Sorgen seines

Begleiters.

„Du hast Recht,

Kibum. Aber sieh dich doch einmal um. Es ist schwer zu glauben, dass sich

dieses Land im Krieg befindet; wie friedlich es hier ist.“, meinte er und zeigte

mit den Armen auf die Weiten vor sich. Noch gut zwei Kilometer trennten sie von

Kreptra, der Hauptstadt des Kang- Königreichs. Hinter ihnen lag ein dichter

Laubwald, den die beiden Reisenden die letzten Tage durchquert hatten und so

waren die weiten Wiesen vor ihnen nun eine willkommene Abwechslung. Gräser,

Kräuter und Blumen wuchsen so hoch, dass sie die Fußsohlen der Reiter fast

berührten. Der Geruch von Sommer lag in der Luft, obwohl es bereits auf den

Herbst zuging und die Nächte immer kälter wurden, und die Sonne schien in einem

wolkenlosen Himmel.

„Sie wissen sehr wohl, dass das alles nur Schein ist. Vor nicht allzu langer Zeit

sind wir an einigen Siedlungen vorbeigekommen. Erinnert euch, Herr! Sie waren

zerstört und es grenzt an ein Wunder, dass uns die Menschen nicht gesehen und

aufgeknüpft haben.“, hielt Kibum hartnäckig dagegen und sein Begleiter legte

ihm eine Hand auf den Arm.

„Solange du bei mir bist, habe ich nichts zu befürchten“; sagte er

warmherzig, „und Ihr genau so wenig. Einen Freund lasse ich niemals im

Stich.“

Sein Begleiter ließ daraufhin ein wenig rot an.

„Ihr ehrt mich, mein Prinz“, murmelte Kibum verlegen und sein Begleiter

lachte leise über diese Verschämtheit. Kibum wusste ganz genau, dass sein Herr

ihm niemals leere Worte zukommen ließ, drum war er beschämt und gleichzeitig

geehrt. Auch er hatte den Prinzen liebgewonnen; beide waren im gleichen Alter

und der Prinz hatte ihn stets mit Respekt behandelt, obgleich Kibum nur der

Sohn eines Offiziers war und nicht von hoher Geburt. Sie waren trotzdem

gemeinsam ausgebildet worden, hatten gegeneinander und miteinander gekämpft,

sich sogar mal eine Frau geteilt. Sie sahen sich sogar relativ ähnlich, beide

waren von schlanker, sehniger Statur mit langen Beinen, dunklen Haaren, einem

gesunden Menschenverstand und einem großen Interesse an der großen Bibliothek

des Königspalasts. Drum verwunderte es den Prinzen des Kim- Königreichs auch

ein wenig, warum sein Begleiter nun so überrascht war. Eine Weile blieb es

still zwischen den beiden Reisenden, jeder hing seinen eigenen Gedanken nach

und ließ sich von den sanften Bewegungen des Pferderückens hin und herwiegen.

Bis der Prinz nach einem Schluck Wasser die Stille unterbrach.

„Sagt mir, Freund, was glaubt ihr, hätte es für einen Unterschied gemacht, wenn wir mit

zwanzig bewaffneten Soldaten hier

aufgetaucht wären?“, fragte er und lenkte sein Pferd auf einen schmalen Pfad in

dem hohen Gras.

„Ihr wärt sicher.“, kam sofort die Antwort, „vergebt mir, aber ich finde es nicht

richtig, dass Ihr euch selbst in Feindesgebiet begebt. Hätte euer Bruder nicht

einen Abgesandten schicken können?“

„Das hätte er. Doch wir sind hier, um endgültigen Frieden zu schließen, nicht eine

Waffenruhe zu verhandeln.

Mein Bruder hat mich geschickt, weil ich die Verhandlungen besser leiten kann,

als ein Bote. Ich verstehe besser, was sich mein Bruder und unsere Mutter für

unser Königreich wünschen. Und der König dieses Landes ist ein erfahrener Mann;

er wird es zu würdigen wissen, dass ein Gleichgestellter bei ihm

erscheint.“

„Und was, wenn nicht? Was ist, wenn er Euch nur in eine Falle locken wollte? Um Euch die Kehle

durchzuschneiden oder Euch als Geisel zu benutzen? Was dann?“

„Dann wird es niemals Frieden geben.“, tat der Prinz die Sorgen seines Freundes mit einem

Achselzucken ab, obgleich ihm diese beunruhigenden Gedanken auch schon gekommen

waren. Doch seine eigenen Worte gaben ihm ein wenig Sicherheit. Der König

konnte ihn foltern und töten und mit der Rache der Kims leben müssen. Seine

Brüder würden ihn rächen und der König würde für diese Taten bezahlen.

„Ich finde, Ihr nehmt das auf die leichte Schulter“, entschied Kibum. Der Prinz hängte

seinen Wasserschlauch wieder zurück an seinen Gürtel, dabei streifte sein Handrücken den Griff

seines Schwertes. Auch das gab ihm ein seltsames Gefühl von Sicherheit. Der Prinz

würde niemals sagen, dass er überragend im Schwertkampf war, doch er hatte

durch die viele Jahre Übung ein überdurchschnittliches Geschick mit der Klinge

erlernt, auf das er stolz sein konnte. Doch das lag nicht an seinem Talent,

sondern an den vielen, gut ausgebildeten Lehrern, die ihn unterrichtet hatten.

Er interessierte sich hauptsächlich für Strategie und Geschichte, gelegentlich

auch für Schmiedekunst, doch sonst konnten weder Lanzen, Dolche, Schwerter oder

Bögen sein ungeteiltes Interesse wecken. Und das war wohl auch einer der

Gründe, warum er darum gebeten hatte, sich um die Verhandlungen zu kümmern. Er

war den Krieg leid; er war die Sorgen leid, die ihn plagten, wann immer er und

seine zwei Brüder in die Schlacht zogen. Er war es leid, ständig Angst zu

haben, dass seine Brüder am nächsten Morgen nicht mehr bei ihm sein könnten. Er

war es leid, heimatlose Menschen auf der Straße zu sehen, die vor feindlichen

Armeen hatten fliehen müssen. Und er wusste, dass sein großer Bruder das

genauso sah. Taehyung, sein jüngerer Bruder, mochte da anders sein, doch er war

auch ein sonderbarer Knabe, der sich für alles begeistern konnte. Auch fürs

Töten.

„Seht doch, Herr!“, rief Kibum nach einer weiteren halben Stunde des Schweigens; der Prinz

folgte dem ausgestreckten Finger seines Begleiters und entdeckte eine Eskorte

Reiter von vier Mann direkt auf sich zu galoppieren.

„Bleibt ruhig, Kibum“, sagte erund musste sich zwingen, keine Anspannung zu zeigen, „und Hände weg

von eurem Schwert!“

Aus den Augenwinkeln sah er, wie sich die Lippen des anderen zusammenpressten, doch

Kibum schwieg aus Bemühung seinen Herrn nicht vor den anderen mit Ungehorsam zu

blamieren, denn inzwischen war die Eskorte auf Hörweite herangekommen. Der

Prinz nahm die Zügel seines Pferdes wieder ein Stück auf und holte aus einer

Tasche, die er an seinem Sattel befestigt hatte, ein Blatt Pergament

hervor.

„Was wollt Ihr hier?“, rief eine der Wachen und ließ sein Pferd knapp vor dem Schimmel des Prinzen

durchparieren, so dass dieser gezwungen war, anzuhalten. Die anderen drei

Reiter jedoch, ritten links und rechts an den zwei Fremden vorbei und nahmen

sie in ihre Mitte, die Blicke voller Misstrauen.

„Wir kommen, um mit eurem König zu verhandeln.“, der Prinz reckte ein wenig das Kinn und

starrte die Wache vor sich herausfordernd an. Dieser kniff die Augen zusammen und ließ den

Blick über die zwei Reisenden wandern; bis er schließlich an den schwarzen Umhängen mit der

goldbestickten Innenseite hängen blieb.

„Ihr seid nicht von hier. Ihr kommt aus dem Kim- Königreich.“, stellte er fest, eine seiner Hände wanderte

zu dem Griff seines Schwerts. Der Prinz ließ sich jedoch nicht einschüchtern; er hielt dem Mann das

Pergament hin und sprach voller Selbstbewusstsein: „Das ist

wahr. Mein Name ist Kim Namjoon und ich bin hier, weil euer König ein

Friedensgesuch geschickt hat. Ich werde es mir anhören und wenn es vernünftig

ist, werden wir Frieden schließen. Geht und fragt ihn, wenn ihr seine Zeit

verschwenden wollt.“

Die Wache, die einen flüchtigen Blick auf die Unterschrift und das

Siegel am Ende des Briefes geworfen hatte, knurrte- offensichtlich war er

deprimiert, dass er einem Feind nachgeben musste. Namjoon lächelte zufrieden,

als der Mann sein Pferd wendete und ihm mit einer Geste befahl, ihm zu folgen.

Er warf Kibum einen Bick zu, der ihn voller Erleichterung erwiderte, dann

trieben die beiden gemeinsam ihre Pferde an.